Führungsforum Klimaneutralität und Energiemanagement: Vom Ziel zum Weg – wie die Branche Klimaschutz konkret macht

Wie gelingt der Spagat zwischen ambitionierten Klimazielen und bezahlbarem Wohnen? Welche Technologien tragen wirklich zur CO-Reduktion bei und wie können sie finanziert werden? Antworten auf diese und weitere wichtige Fragen lieferte das Führungsforums Klimaneutralität und Energiemanagement der EBZ Akademie am 1. und 2. April – mit einem breiten Spektrum aus politischer Einordnung, strategischen Impulsen und konkreten Praxisbeispielen.

Zum Auftakt des Führungsforums Klimaneutralität und Energiemanagement zeichnete Axel Gedaschko, Präsident des GdW, ein optimistisches Bild der politischen Rahmenbedingungen. Mit dem Einstieg in den europäischen Emissionshandel (ETS II) ab 2027 verschiebe sich der Fokus weg von reinen Effizienzanforderungen hin zu CO₂-Vermeidung – mit gezielten Investitionen, die gleichzeitig wirtschaftlich tragfähig bleiben sollen.

Gedaschko stellte in Aussicht, dass neben vereinfachten Berichtspflichten und einer überarbeiteten Taxonomie auch eine neue Förderlogik greife. Von den insgesamt 200 Milliarden Euro für den Klimaschutz sollen 35 Milliarden für den Wohnungsbau bereitstehen – eine Größenordnung, die Spielräume eröffnen könne. Entscheidend sei nun, dass Wohnungsunternehmen strategisch agieren: den CO₂-Fußabdruck analysieren, Fördermittel systematisch erschließen und digitales Know-how aufbauen – mit Blick auf Wirtschaftlichkeit und Entlastung der Mieterinnen und Mieter.

Zwischen Klimazielen und Bezahlbarkeit: Die Wohnungswirtschaft im Zielkonflikt

In ihrem Grußwort beim Führungsforum Klimaneutralität und Energiemanagement stellte Lena Weinert, Referentin für Nachhaltigkeit, Klima, Mobilität und Digitalisierung beim VdW Rheinland Westfalen, die aktuellen Spannungsfelder der Branche heraus. Im Spannungsfeld zwischen dem politischen Ziel von jährlich 400.000 neuen Wohnungen und dem Anspruch, den Gebäudebestand bis 2045 klimaneutral zu entwickeln, zeichne sich ein zunehmender Zielkonflikt ab: Bezahlbares Wohnen bleibe zentrale Aufgabe – steige jedoch im Preis durch Klimaschutzanforderungen.

Weinert wies auf die drastisch gestiegenen Bau- und Energiekosten sowie Zinsen hin, während die Entwicklung der Mieten deutlich verhaltener verlaufe. Diese Diskrepanz stelle eine zunehmende Hürde für Investitionen dar. Gleichzeitig unterstrich sie die Innovationskraft der Branche – etwa durch serielles Sanieren, den Einsatz von Holz-Hybridbauweisen und die Entwicklung energieautarker Quartiere mit Photovoltaik und Infrarotheizungen. Auch Themen wie Digitalisierung und Klimafolgenanpassung – etwa durch hitzeresiliente Quartiersstrukturen – gewännen weiter an Bedeutung. Die technischen Lösungen seien vorhanden, es komme darauf an, diese klug zu kombinieren und einzusetzen.

Klimaziele im Bestand: Möglich, aber nur mit Fokus und Pragmatismus

Felix Lüter, geschäftsführender Vorstand der Initiative Wohnen.2050, machte in seinem Vortrag Mut: Die Erreichung der Klimaziele sei trotz hoher Herausforderungen möglich – mit einem klaren Fokus auf CO₂-Vermeidung und der Konzentration auf den Heizungskeller statt auf aufwändige Hüllensanierungen. Die Devise: „Breite vor Tiefe“ – also geringinvestive Maßnahmen in möglichst vielen Gebäuden anstelle umfassender Sanierungen einzelner Objekte. Praxisbeispiele wie von der Nassauischen Heimstätte und der Rheinwohnungsbau zeigten eindrucksvoll, dass Wärmepumpen auch in schlecht gedämmten Beständen funktionieren – bei gleichzeitiger Kostenreduktion und CO₂-Einsparung. Lüter betonte die Bedeutung eines systematischen Wissensaufbaus in den Unternehmen, besonders in den Bereichen Energiemanagement, Fördermittel und technischer Umsetzung.

ESG-Analyse offenbart Chancen, Zielkonflikte und Optimierungspotenziale

Markus Hesse, Geschäftsführender Gesellschafter von IVA Analytics, gewährte einen fundierten Blick von außen auf die Nachhaltigkeits- und Unternehmensberichte von 70 Wohnungsunternehmen. Ziel der breit angelegten ESG-Studie war es, Transparenz, Vergleichbarkeit und strategische Orientierung im Sektor zu fördern. Die Ergebnisse zeigen: Die wesentlichen Herausforderungen in der Branche liegen im Spannungsfeld zwischen Klimaschutz, Energieeffizienz und bezahlbarem Wohnraum. Der regulatorische Druck sowie wachsende Anforderungen von Stakeholdern und Banken rücken die ESG-Leistung der Unternehmen zunehmend in den Fokus der Finanzierung. Besonders deutlich wurde: Eine konsistente und belastbare ESG-Datenlage ist entscheidend – sowohl für die interne Steuerung als auch für die Außenwirkung gegenüber Kapitalmarkt und Politik. Hesse betonte, dass strategische Entscheidungen zu Investitionen in klimawirksame Maßnahmen unter hoher Unsicherheit getroffen werden müssen – umso wichtiger seien robuste Szenarien und nachvollziehbare CO₂-Kennzahlen.

Positiv hervor hob er, dass viele Unternehmen – unabhängig von der Größe – klare Nachhaltigkeitsstrategien entwickelt haben. Dennoch besteht Nachbesserungsbedarf bei zentralen Kennzahlen wie Energie- und CO₂-Intensität sowie beim Benchmarking innerhalb des Sektors.

Der Mensch als entscheidender Faktor: Psychologie als Hebel für mehr Klimabewusstsein

Anne Elsner von Gronow-Klimek, Senior Consultant / Teamlead Personal- und Organisationsentwicklung an der EBZ Akademie, machte deutlich, dass Klimaneutralität nicht allein eine technische Herausforderung ist – sondern auch eine psychologische. Entscheidend sei, wie Menschen denken, handeln und Rückmeldung zu ihrem Verhalten erhalten.

Im Fokus standen drei psychologische Hebel: Kognitive Dissonanz, also der innere Widerspruch zwischen Einstellung und Verhalten, kann durch gezielte Impulse zum Umdenken führen. Soziale Normen – etwa der Vergleich mit Nachbarinnen und Nachbarn – motivieren, wenn energiesparendes Verhalten als Standard erlebt wird. Und: Wer sich selbst als wirksam erlebt, handelt nachhaltiger – besonders dann, wenn das eigene Verhalten durch verständliches, direktes Feedback positiv verstärkt wird.

Anhand typischer Alltagssituationen wie offenstehenden Fenstern im Winter oder falsch eingestellten Heizungen wurde deutlich, wie viel Potenzial in gezielter Kommunikation und smarter Technik liegt. Der Mensch, so das Fazit, ist kein Störfaktor – sondern der Schlüssel zur erfolgreichen Umsetzung.

Noch mehr Impulse zum Nachlesen

Die hier vorgestellten Beiträge spiegeln nur einen Teil des vielfältigen Inputs des zweitägigen Führungsforums wider. Alle Inhalte, Zahlen und Beispiele finden sich ausführlich in der begleitenden Broschüre – kompakt, praxisnah und mit weiterführenden Informationen.